Zahlen, die sich nicht bewegen
Ein Arbeitspaket steht seit mehreren Berichten unverändert bei demselben Fertigstellungsgrad. Das kann stimmen, wenn dort tatsächlich nichts passiert. Häufiger heißt es, dass der Wert aus dem letzten Bericht kopiert wurde, weil niemand eine neue Meldung abgegeben hat. Ein eingefrorener Wert ist kein Beweis für einen Fehler, aber ein guter Anlass für eine Nachfrage bei der zuständigen Person: Wann wurde das zuletzt erhoben?
Verläufe, die zu glatt sind
Echte Projekte verlaufen ungleichmäßig. Es gibt Wochen mit großem Fortschritt und Wochen, in denen auf Material oder Freigaben gewartet wird. Steigt ein gemeldeter Fortschritt dagegen gleichmäßig wie eine Linie im Plan, liegt der Verdacht nahe, dass nicht gemessen, sondern der Plan fortgeschrieben wurde. Dasselbe gilt für Kostenverläufe, die exakt der Budgetkurve folgen. Planähnlichkeit ist bei Ist-Werten eher ein Warnzeichen als eine Beruhigung.
Summen ohne Herleitung
Eine Gesamtzahl im Bericht, etwa die Summe offener Nachträge oder der prognostizierte Mehraufwand, sollte sich in Einzelposten zerlegen lassen. Kann niemand sagen, aus welchen Positionen sie besteht, ist sie nicht prüfbar und damit auch nicht belastbar. Ein typischer Fall: Eine Restkostenprognose enthält einen Puffer, den jemand vor Monaten pauschal eingerechnet hat. Der Puffer ist längst aufgebraucht, steht aber weiterhin in der Summe.
Widersprüche zwischen Kennzahlen
Einzelne Zahlen können plausibel sein und trotzdem nicht zueinander passen. Ein Gewerk meldet hohen Fortschritt, aber kaum gebuchte Stunden. Die Materialbestellungen sind vollständig, der Lieferstatus zeigt aber offene Positionen. Solche Widersprüche erkennt man nur, wenn man Kennzahlen nebeneinanderlegt, statt sie einzeln zu lesen. Sie sind meist der schnellste Weg zu einer Angabe, die nicht stimmt.
Was diese Warnzeichen nicht leisten
Warnzeichen sagen, wo man hinschauen sollte, nicht, was falsch ist. Ein eingefrorener Wert kann richtig sein, ein glatter Verlauf kann auf ein gut eingespieltes Team zurückgehen. Deshalb sollte ein Warnzeichen nie automatisch zu einer Korrektur führen, sondern zu einer Frage an die Person, die die Angabe verantwortet. Und wichtig: Geprüft wird die Angabe, nicht die Person. Wer Warnzeichen als Vorwurf behandelt, bekommt in Zukunft vorsichtigere, aber nicht richtigere Zahlen.